Erste Männer gewinnt Herbstmeisterschaft gegen neun Feldspieler

Der neunte Spieltag in der Verbandsliga Berlin, gegen die HSG Neukölln, bahnte sich an und wirkte ein ganz normaler zu werden. Die Anreise zum traditionell, gemeinsamen Pre-Spiel-Essen erfolgte im ersten Berliner Schneefall dieses Jahres. Gestärkt und motiviert reiste man nun weiter zur Halle, welche einen besseren Eindruck lieferte, als erwartet. Die Vorzeichen standen also nicht schlecht und ein Sieg wäre wichtig gewesen, da die Konkurrenz um die SG NARVA Berlin, TUS Hellersdorf und VfL Tegel allesamt patzte.

Die Anfangsphase gestaltete sich durchwachsen. Neukölln konnte fast ausschließlich durch Einzelaktionen immer wieder durchbrechen und unsere Defensivreihe war teilweise extrem langsam und löchrig. Wenigstens unser Angriff funktionierte und so gelang es der Ersten Männer den Anschluss zu halten, wobei Lichtenrade-Linksaußen Sebastian Limbach, in den ersten zehn Minuten, auch aus schlechten Winkeln, drei Mal netzte. Ab diesem Zeitpunkt traten die Schiedsrichter mehr und mehr in den Mittelpunkt der Partie.  Eine eigens von ihnen verlangte „sportliche Kommunikation“ war nicht möglich, da einfaches Nachfragen mit patzigen Antworten oder Strafen geahndet wurde. So konnte man die Offiziellen auch nicht darauf hinweisen, dass der fünfte Stürmerfoul-Pfiff gegen Lichtenrade, eine (erneute) Fehlentscheidung war, da der beteiligte Abwehrspieler zum Zeitpunkt des Kontakts im Kreis stand. Nichtsdestotrotz greifen in solchen Situationen alt bewährte Phrasen: „Man kann an der Situation nichts ändern und Entscheidungen werden nicht zurück genommen.“ Dass die Mannschaft sich lieber auf das Spiel konzentrieren sollte, wurde im weiteren Verlauf der Partie klar. Die Defensivprobleme fanden keine Lösung und die Gastgeber konnten sich so einen zwischenzeitlichen drei-Tore-Vorsprung erarbeiten (14:11, 27. Minute), den wir kurz vor der Pausensirene auf ein Tor schmälern konnten. Halbzeitstand: 14:13.

In der Pause zeigte sich dann erstmals die geballte Autorität des Schiedsrichter-Duos: Lichtenrade Co-Trainer Olaf Böhme bekam eine Zwei-Minuten-Strafe und kurz darauf die Rote Karte gezeigt. Geschwächt und irritiert mussten unsere Männer also in den zweiten Durchgang starten, der sich identisch zum ersten zeigte. Tor um Tor fiel, allerdings auf beiden Seiten und so entwickelte sich der Spielstand über ein 17:14 (35. Minute) zum 18:17 (38. Minute). In den folgenden elf Minuten verteilten die „Unparteiischen“ zwei Rote Karten und vier Zeitstrafen – beide Karten und drei Zeitstrafen davon gegen Lichtenrade. Warum blieb für viele Zuschauer unschlüssig und das Nachfragen hatte man bis hierhin sowieso aufgegeben, aber auf dem Spielformular sieht es nun so aus, als hätten unsere Spieler blutige Nasen verursacht und Ohrläppchen abgebissen. Die Unterzahl-Periode konnte unsere „Rüpel-Truppe“ dennoch gut meistern und zur 53. Minute, durch Jonas Beer, sogar mit 22:23 in Führung gehen. Unterdessen hat Männer-Trainer Stefan Krai umgestellt und den Neuköllner Rückraum manndecken lassen. Der Heimmannschaft bereitete dies sichtbare Probleme, auch bedingt durch einige starke Paraden von Nikolas Frey, und so mühten sie sich zu Torerfolgen  – bis zur nächsten Roten Karte für Lichtenrade, in der 56. Spielminute. In der Folge gelang es Neukölln ein 27:25 herauszuspielen, welches bis zur 59. Minute hielt. In der letzten Spielminute, bei einem laufendem Neukölln-Angriff und einer vollen Manndeckung Lichtenrades, erteilten die Schiedsrichter die nächste Rote Karte – diesmal allerdings für einen Neuköllner Spieler. Auch diese Entscheidung bleibt zweifelhaft und erweckt den Anschein, die Einseitigkeit der Strafenerteilung im Spielbericht kaschieren zu wollen. Dennoch gelang unseren Männern in den letzten 30 Sekunden zwei schnelle Tore, um zum 27:27 auszugleichen. Das letzte Tor fiel hierbei nur zwei Sekunden vor dem Abpfiff, abermals durch Jonas Beer.

Die ungewöhnlich niedrige Hemmschwelle und Toleranz, gepaart mit der Unverhältnismäßigkeit bei der Strafenerteilung, soll nicht von der Qualität des Handballspiels und der Leistung beider Mannschaften ablenken. Am Ende bekamen die Zuschauer ein Emotionen-Spektakel zu sehen, an deren Ende sich gerechterweise die Punkte geteilt wurden. Unsere Männer zeigten in der Abwehr konsequent zu wenig Laufbereitschaft und halfen sich zu selten gegenseitig aus. Richtigerweise blieb also ein Punkt in Neukölln, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie auf dem ersten Platz der Verbandsliga-Männer-Berlin überwintern.

Bester Werfer wurde Jonas Beer mit 12 Toren.

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Veröffentlicht in Handball News.