30:31, Zwote schlägt in der Crunch-Time Blau-Weiß III

Bezirksduelle haben ihre eigenen Gesetze und Geschichten. Offene Rechnungen, Freundschaften, dumme Sprüche und herzliche Umarmungen, es gehört alles dazu. Und so trat am Samstag unsere Zwote auswärts in der Kolonne gegen die dritte Vertretung von Blau-Weiß an. Neben den zwischenmenschlichen Akzenten war rein sportlich gesehen klar: Blau-Weiß ist eine Wundertüte, eine Mischung aus Urgesteinen, jungen Wilden und bekennenden Freizeitspielern, deren Motivationsschübe und Auszeiten unbekannten Gesetzen folgen.

Unsere Zwote hingegen schien zuletzt wieder in der Spur zu sein, musste wiederholt auf Stammkräfte verzichten und wurde von jung und alt unterstützt.

Anpfiff. Blau-Weiß startet dynamisch und legt erst einmal 3:1 vor. Von Anfang an ist klar: Vom Unterschied in der Tabelle ist hier nichts zu sehen. Angeführt von Arne Voß und Pascal Merforth werden Lücken in der Deckung der Zwoten konsequent genutzt. Das Spiel ist körperlich, gallig, es wird angefasst, getestet was der von Blau-Weiß gestellte Schiri für einen Toleranzbereich hat. Es wird immer deutlicher: Blau-Weiß spielt mit der höheren Intensität, unsere Zweite ist noch nicht richtig im Derby angekommen, folgerichtig wird beim Rückstand 10:6 Mitte der ersten Halbzeit die grüne Karte gezogen. Die Ansagen und Nachjustierungen sitzen, vielleicht nimmt zudem auch die Unterbrechung dem Gegner den Rhythmus: Das Spiel beginnt sich jetzt zu drehen. Die Fehlerquote bei Blau-Weiß nimmt zu, unsere Zwote zeigt die erhoffte Reaktion und nimmt den Kampf an, schafft sogar streckenweise das vom Trainer geforderte Systemspiel. Neun Minuten nach der Auszeit der Ausgleich zum 13:13 und als unser Ex-Blau-Weißer Kreisläufer auf 13:15 stellt, nimmt der Gastgeber die Auszeit, die sich als wirkungslos erweist. Zur Pause können wir noch auf 13:17 erhöhen.

Zweite Halbzeit. Eigentlich ist allen klar, worum es jetzt geht. Gelingt es, den Lauf fortzusetzen, vielleicht früh die Weichen auf Sieg zu stellen oder lassen wir uns in ein hitziges Spiel hineinziehen, in ein Spiel der Nickligkeiten, der Hektik, dem Kontrollverlust. Nun ja, die Überschrift verrät es ja schon. Gelinde gesagt können wir den Lauf Ergebnis seitig zunächst fortsetzen, doch das Spiel wird offen, kämpferisch und giftig. Genau die Voraussetzungen dafür, die eigene Linie zu verlassen und schrittweise die Kontrolle zu verlieren. Nach nur sieben Minuten Spielzeit ist Blau-Weiß wieder dran und unser Trainer zur frühen Auszeit gezwungen. Er nutzte sie zum Weckruf, doch auch hier sind wir schon zu tief im Sog des Spiels, dass vielleicht zu wenig Zeit für kühle Gedanken zu taktisch klugen Anpassungen bleibt. Dennoch: Die Mannschaft ist jetzt wach und im Spiel. In der folgenden Viertelstunde kann die knappe Führung noch verteidigt werden, dann 8 Minuten vor Schluss wieder ein Rückstand. Blau-Weiß schafft es durch schnelle Pässe unsere Deckung zu überspielen und einfache Tore zu machen, während auf Seite der Zwoten für jeden Treffer hoher Aufwand betrieben werden muss. Willi scheidet in dieser Phase mit einer Platzwunde am Auge aus, der Top-Scorer des Gegners wird in Manndeckung genommen. Jetzt ist offenes Visier angesagt, was bekanntlich alles möglich macht, im Guten wie im Bösen. Und schließlich sind es dann doch die Details, die das Spiel zugunsten unserer Zwoten entscheiden. Zunächst scheint Blau-Weiß das bessere Ende für sich zu haben. Erneut ist es eine zweiminütige Überzahl für uns, die mit 0:2 verloren geht, wie schon die Überzeiten zuvor. Dann gibt es bei Rückstand Siebenmeter für Blau-Weiß. Chris kann ihn entschärfen, wie auch den nächsten Wurf von Rik Steinicke. Die letzten zwei Tore des Spiels gehen an Lichtenrade. Gewonnen!

A propos Details: Beide Mannschaften hatten 5 Siebenmeter. Dieses Duell endete 5:3 für unsere Mannschaft. Kompliment, Nick!

Nach den beiden ersten beiden Saisonspielen, dem Pokal und dem letzten Wochenende geht erneut eine Crunch-Time an unsere Zwote. Noch kein enges Spiel ging in dieser Saison verloren.

Nach dem Spiel wieder hier Umarmungen mit dem Gegner, da ein abgelehnter Handschlag, Sprüche, was nun mal so dazu gehört. Es war ein heißes Spiel mit einem glücklichen Sieger.

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Veröffentlicht in Handball News.