Klimawandel erfolgreich genutzt, Zwote schlägt SSG Humboldt 30:21

Die meisten Menschen denken bei der Klimadebatte an den tropischen Regenwald, an Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und den Autoverkehr. Dass der Klimawandel auch ganz unmittelbare Folgen für den Amateurhandball vor der Haustür hat, ist hingegen in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt. Daran soll dieser Bericht etwas ändern.

Wir begeben uns nach Berlin-Lichtenrade, in die “Hölle Süd”. So heißt die Spielhalle des dortigen VfL Lichtenrade. Nun denken viele Menschen bei “Hölle” an unerträgliche Hitze und bei “Süd” zumindest an warme Temperaturen. Doch wer sich am vergangenen Samstag zu diesem Brennpunkt des Südberliner Handballs begab, sah sich bald getäuscht. Eisige Kälte empfing ihn in der ansonsten gut gefüllten Halle.

Nun ist es Kennern der Berliner Handballszene schon länger bekannt, dass die Duschen der “Hölle Süd” bei wärmster Einstellung Wasser mit etwa 12,5 Grad spenden. Diese Maßnahme sollte bei den zunehmend subtropischen Sommertemperaturen für Abkühlung bei den nassgeschwitzten Handballern sorgen. In der kühleren Jahreszeit hingegen ist dieser Effekt unerwünscht und so griff man zu einer List. Statt die Temperatur der Duschen zu erhöhen, wurde kurzerhand die Heizung im Rest der Halle deaktiviert. Das Kalkül dahinter: Zum Einen deutliche Energieeinsparung, zum Anderen sollten die Sportler das Wasser nach dem Spiel als warm empfinden.

Bereits beim Spiel der ersten Männermannschaft stellte sich diese Maßnahme als Volltreffer heraus. Beim ersten Sieg der Saison wurde der VfL Tegel eiskalt aus der Halle gefegt.

Nun stand also Lichtenrades zweite Männermannschaft der SSG Humboldt gegenüber. Beide Mannschaften präsentierten sich ersatzgeschwächt, wobei auf Lichtenrader Seite besonders das Fehlen von Kapitän Jonas ins Gewicht fiel. Um die durch regelmäßiges hartes Training ausdefinierten Körper der Athleten nicht sehr zu erhitzen, wurde das Aufwärmprogramm auf 30 Minuten reduziert. Und so konnte kurz nach 20 Uhr das Spiel beginnen. Lichtenrade legte schnell durch Jordan und Pascal auf 3:0 vor, um dann nach knapp 5 Minuten die ersten Gegentreffer zu kassieren. Im Angriff tat man in der Folge dem gegnerischen Torhüter den Gefallen, ihn mit einer “Oben-rechts-oben-links”-Folge in seiner Komfortzone auch nach Anpfiff noch weiter einzuwerfen, streute jedoch auch erfolgreiche Abschlüsse ein. Die Abwehr, die sich nun zunehmend zum Qualitätsfaktor entwickelt, stand weitestgehend sicher, störte die Abläufe des Gegners gut und zwang ihn zu teilweise erfolgreichen Einzelaktionen. In der Summe jedoch gestaltete sich das Spiel bis etwa Mitte der ersten Halbzeit ausgeglichen. Als beide Mannschaften drohten, warm zu werden, eilte ihnen ein technisches Problem zuhilfe. Durch einen Wackelkontakt war die Verbindung vom Pult zur Anzeigetafel gestört. Es kam zu einer längeren Unterbrechung, die den Spielern ausgiebig Gelegenheit zur Abkühlung bot. Der Rest der ersten Halbzeit musste nun ohne korrekte Zeit auf der Tafel fortgesetzt werden. Mit 12:10 für die Hausherren ging es in die Pause.

Die Halbzeitanalyse war naheliegend. Es wurde entschieden, dass die Hände des gegnerischen Keepers nun ausreichend warm sein mussten und Gastfreundschaft im Sport auch irgendwann mal Grenzen hat. Zudem wurde in Aussicht gestellt, der Gegner könne angesichts der dünnen Besetzung müde werden, was mit schnellem Spiel genutzt werden könnte. Die Technik konnte derweil wieder instand gesetzt werden und so war in der zweiten Halbzeit wieder alles, wie es sein sollte.

Weiter also! Der Gegner kam letztmals beim 13:12 nach 3:30 Minuten auf Tuchfühlung, ließ dann jedoch bald abreißen. Unsere Zweite nutzte zwei Überzahlspiele, um sich zunächst auf 20:15 abzusetzen. in den letzten 10 Minuten war dann der Bann gebrochen. Gehaltene Bälle wurden zu schnellen Kontern und im Positionsangriff durften sich noch einige Spieler in die Torschützenliste eintragen. Der insgesamt starke Jordan machte praktisch mit dem Schlusspfiff die 30 voll, Endstand 30:21 für die Hausherren.

Im Anschluss durften sich die Spieler in der Dusche unter molligen 12,5 Grad aufwärmen. Sportlich gesehen hat die Mannschaft sich mit diesem Ergebnis nun erst einmal im oberen Drittel der Tabelle festgesetzt. Interessant hierbei ist, dass dieses Mal ganz andere Spieler mit vielen Toren auszeichnen konnten als am vorherigen Spieltag. Ein Indiz für eine gute Leistungsbreite im Kader. Am kommenden Wochenende pausiert der Ligabetrieb und es geht im Pokal auswärts zum Tabellennachbarn CHC.

 

Schulleit, Degen (1), Zillmer, Bluhm (2), Gericke (1), Hofemeister (1), Seibt, Freis (7), Pigeon (11), Braun (7, davon 3 Siebenmeter).

Tor: Köppe, Löscher.

Trainer: Rieck, Colditz

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Veröffentlicht in Handball News.